Frauen in der medizinischen Forschung: Warum geschlechtsspezifische Studien unverzichtbar sind

Wussten Sie, dass Frauen bereits seit dem 19. Jahrhundert an medizinischer Forschung beteiligt sind? Allerdings oft sehr begrenzt und nur für spezifische Arten der Forschung, fast ausschließlich frauenspezifische Erkrankungen. Dieser Ausschluss von klinischer Forschung führt auf Skepsis, Unverständnis und vor allem auch ethische Bedenken zurück. Damals wie heute, war der Schutz der Frauen im gebärfähigen Alter ein besonderes gesellschaftliches Augenmerk.
Im Laufe der Geschichte gab es Phasen, in denen Frauen aus bestimmten marginalisierten Gruppen oder in gewissen Lebenssituationen, insbesondere schwangere Frauen, von der Teilnahme an klinischen Studien ausgeschlossen wurden. Die Wende in der Einbeziehung von Frauen in klinische Studien, insbesondere in den USA, erfolgte im Jahr 1993. In diesem Jahr erließ der National Institutes of Health Revitalization Act spezifische Richtlinien, die eine angemessene Einbeziehung von Frauen und Minderheiten in klinischen Studien verlangten.
Die Beschränkungen für Frauen in klinischen Studien waren teilweise eine Reaktion auf frühere medizinische Katastrophen, wie beispielsweise den Thalidomid-Skandal in den 1960er Jahren. Damals wurde bekannt, dass das Medikament Thalidomid, das schwangeren Frauen jahrelang gegen Übelkeit verschrieben wurde, schwere Geburtsfehler verursachte. Nach solchen Vorfällen wurden strenge Vorschriften eingeführt, um Frauen vor potenziellen Risiken unbekannter Medikamente zu schützen. Der NIH Revitalization Act von 1993 und darauf folgende politische Änderungen sorgten dafür, dass Frauen in der Forschung wieder stärker repräsentiert wurden und dass geschlechtsspezifische Daten analysiert wurden, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Behandlungen für beide Geschlechter zu gewährleisten.
Die Wichtigkeit, Medikamente an beiden Geschlechtern zu erforschen, ist auf die physiologischen und biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen zurückzuführen, die sich auf die Wirksamkeit, Verträglichkeit und Nebenwirkungen von Medikamenten auswirken können. Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Pharmakokinetik (Aufnahme, Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung eines Medikaments) und Pharmakodynamik (Wirkung auf zellulärer und molekularer Ebene) sind gut dokumentiert und können zu sehr unterschiedlichen Reaktion auf Medikamente führen. Diese Differenzen zu berücksichtigen, ist entscheidend, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Therapien für beide Geschlechter zu gewährleisten. Vor allem in der Phase I von Studien, der erstmaligen Testung eines Medikamentes bzw. einer Behandlungsmethode am Menschen, sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. In Phase II und III von klinischen Studien konnte über die letzten Jahre ein deutlicher Anstieg an weiblichen Teilnehmerinnen registriert werden. Dieser stetige Anstieg an weiblichen Studienteilnehmerinnen ist besonders wichtig, um die Sichtbarkeit der körperlichen Unterschiede zwischen
Geschlechtern weiter zu fördern und somit geschlechtergerechte Medikationen und Therapien zu etablieren.
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Quellen:
Mn, P., & Ss, F. (2001). Participation of women in clinical trials of drug therapies: a context for the controversies.. Medscape women's health, 6 5, 1 .
Labots, G., Jones, A., Visser, S., Rissmann, R., & Burggraaf, J. (2018). Gender differences in clinical registration trials: is there a real problem?. British Journal of Clinical Pharmacology, 84, 700 - 707.
Liu, K., & Mager, N. (2016). Women’s involvement in clinical trials: historical perspective and future implications. Pharmacy Practice, 14.